Passion For Wine

M. Meierer: Jungwinzer des Jahres

Suchergebnisse werden angezeigt für 
Stattdessen suchen nach 
Meinten Sie 

Wie wird der Jahrgang 2015 an der Mosel?

von MatthiasMeierer am ‎21-09-2015 13:33 - zuletzt bearbeitet am ‎08-10-2015 19:13 von Community Manager (1.157 Ansichten)

Moselschleife im Herbst 960*320.jpg

 

Dieses Jahr gibt es zur Abwechslung keine unkonkreten Äußerungen nach der ersten Reifemessung, denn „es kann ja noch soooo viel passieren“. Alles Quatsch ;-)

 

Wir spekulieren einfach mal lustig ins Blaue.

 

Nach der ersten Tour durch die Weinberge kann man für unseren Betrieb sagen, alles sieht noch gut aus! Bis auf einen einzigen Weinberg. Der hat aber auch einen Nachteil – er ist halt kein Riesling…

 

Der Müller-Thurgau im Moselvorgelände (aka Flachlage mit den Wurzeln ganzjährig in der Mosel) hat als einziger jetzt schon nennenswerte Fäulnis, die wohl durch die letzten beiden Niederschläge verursacht wurde. Durch das optimale Wetter der letzten Tage ist diese aber sauber eingetrocknet und hat keinen Pilzbelag angesetzt. Alles entspannt, kommt nächstes Wochenende weg. Die wenigen, schlechten Trauben auf den Boden und der Rest wird Traubensaft. Das muss reichen für dieses Jahr zum Müller-Thurgau.

 

Kommen wir zum Wichtigsten – dem Riesling.

 

Hier gibt es auch dieses Jahr große Unterschiede. Diese wurden durch Wassermangel verursacht. Riesling hat ja an und für sich schon kleine Beeren, aber einige Weinberge haben dieses Jahr so kleine Beeren, da braucht man ja fast eine Lupe (Achtung Übertreibung).

 

Dies führt uns aber direkt zu Spekulation Nr. 1: In den Toplagen, die meist auch die Trockeneren sind, wird es dieses Jahr keine großen Mengen geben. Das Verhältnis von Schale zu Fruchtfleisch ist einfach zu hoch.

 

Direkt weiter zu Spekulation Nr. 2: Damit sollte Botrytis auch nicht zu so einem großen Thema werden, da die kleinen Trauben auch sehr locker hängen. Immer vorausgesetzt wir bekommen nicht wieder so ein Kackwetter wie letztes Jahr.

 

Kombiniert man Spekulation 1+2 zu 3: So könnte so mancher dazu verleitet werden, lange Maischestandzeiten zu planen, daraus sollten dann Weine mit viel Grip am Gaumen und einer gewissen Bitterkeit entstehen. Voraussetzt natürlich die Säure spielt mit, die ist bei den frühen Sorten schon sehr niedrig für Entwicklungszeitpunkt, beim Riesling aber noch voll im Soll bei ca. 16-17g/l.

 

Spekulation 4: Wasserreiche Standorte/Böden könnten im Gegensatz dazu Probleme bekommen. Hier sind genau wie bei Junganlagen schon ein paar wenige geplatzte Beeren zu sehen. Alles unproblematisch und unter 1%. Sollten die gemeldeten Niederschläge über 20l/m² in den nächsten Tagen kommen, könnte sich die Situation rapide verschärfen.

 

Spekulation 5: Die Menge wird so mittel – beruht auf den Spekulationen 1-4.

 

Was keine Spekulation mehr, sondern vielmehr schon Fakt und Konsens unter den Winzern ist: Es wird ein frühes Jahr. Die meisten Winzer an der Mosel rechnen mit dem Lesebegin Anfang Oktober. Also noch früher als in 2014. Die aktuellen Zuckerwerte von 65-70°Oe in Nebenlagen und ca. 75°Oe in Steillagen sprechen dafür. Zudem sind die meisten Kerne schon wenigstens hellbraun verfärbt, d.h. die physiologische Reife sollte erreicht sein.

 

Dann noch eine letzte Spekulation 6: Man sollte dieses Jahr aufpassen, dass man den Riesling nicht zu lange hängen lässt und folglich überreife Trauben bekommt. Man kann sich ja untereinander mit erfundenen Oechslerekorden bei 100% gesunden Trauben aufgeilen, aber will wirklich jemand einen Riesling trinken, der mit 103°Oe gesund gelesen und trocken vergoren wurde!? Hatte ich gestern Abend aus 2012 – brauch ich nicht nochmal. Schmeckt, alt, alkoholisch und hat keinerlei Trinkfluss.

 

Zuletzt so ist es Brauch und Sitte, bitte ich ab sofort alle Regentänze einzustellen.

Kommentare
von Community Manager
am ‎21-09-2015 18:40

Servus Matthias,

 

ein ausgesprochen interessanter und informativer Artikel. Ganz herzlichen Dank!

 

Ein Tipp: wenn Du mit so viel Mühe so gute Artikel schreibst, dann soll Dein Nutzen auch möglichst hoch sein. Der Vorteil der Community ist, dass Inhalte, die ja benutzergenierte Inhalte sind (User Generated Content), von Suchmaschinen wie Google bevorzugt werden. D.h. sie sind bei natürlicher Suche (Organic Search) im Suchranking ganz weit oben. Damit wird der Content den Du hier veröffenlichst gut gefunden. Deshalb ist es sinnvoll Links zu Deiner Webpräsenz einzufügen und Du erhälst dort mehr Traffic. Du kannst dies auch automatisieren indem Du bspw. unter "Mein Profil" und unter "Persönliche Information" das Signatur-Feld ausfüllst und dort den Link zu Deinem Weingut inkludierst. Dann wird er automatisch bei jedem neuen Artikel als Signatur angehängt.

 

Beste Grüße

Andreas

 

 

von Staudt
am ‎23-09-2015 20:29

Hallo Matthias,

 

Dein Kommentar deutet auf einen wirklich spannenden Jahrgang an der Mosel hin. Und die Schlüsse, die Du ziehst, sind hochinteressant. Kompliment! Wieso aber schreibst Du "So könnte so mancher dazu verleitet werden, lange Maischestandzeiten zu planen..." Wieso "verleitet"? Das macht doch durchaus Sinn. Vorausgesetzt die Säurewerte sind ausreichend hoch, könnte eine Maischestandzeit von ein paar Stunden für mehr Körper, mehr Mineralität (v.a. Kaliumsalze), eine größere geschmacklich Intensität und einen höheren ph-Wert sorgen. Oder siehst Du da ein Problem, das ich nicht sehe?

Ein trocken ausgebauter Riesling, der mit 103° Öchsle gelesen und dann wahrscheinlich mit über 14 Volumenprozent Alk. auf die Flasche gefüllt wurde, ist in der Tat in den meisten Fällen des Guten zu viel. Die prekäre Balance solcher Weine kann aber möglichweise mit etwas Maischestandzeit doch noch - gerade so - gerettet werden. Wie sieht das der Praktiker?

 

Viele Grüße,

Wolfgang