Passion For Wine

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David gegen Goliath

Im Sommer mit Freunden zum Essen daheim. Bei läppischen 35° im Schatten. Zu futtern gab es sechs leichte Gänge. Hauptsächlich fischig und fruchtig. Aber das tut hier nichts zu Sache. Es war mit 35° im Schatten sowieso viel zu heiss. So wurde aus anfänglich affektiertem nippen ein hemmungsloses saufen. Vor allem war der Star des Abends die immer leere Kanne Leitungswasser.

 

Es war ein Abend ganz im Rahmen von Rosé. Rosé galt ja früher als Halbwelt Produkt dunkler verrauchter Lokale mit viel nackter Haut. Die Rosé Champagner des Hauses Ruinart gehörten aber schon immer zu den ganz grossen. Nahezu 20 Prozent der Gesamtproduktion von Ruinart sind der Roséproduktion gewidmet, während der Rosé-Anteil der ganzen Champagne insgesamt nur 10 Prozent beträgt. So stellten Archivare beim Durchforsten der historischen Papiere des Hauses im letzten zufälligerweise Jahr fest, dass Ruinart das erste Champagnerhaus überhaupt war, das Roséweine verkaufte. Sie fanden einen Brief von Adolf Friedrich IV., Herzog zu Mecklenburg-Strelitz vom 17. März 1764, mit welchem er 60 Flaschen von ‘œil de perdrix’ Champagner bestellte – ein noch heute gebrauchter Ausdruck für blass rosafarbene Weine. Damit kann das Haus auf eine 250-jährige Geschichte in Sachen Rosé zurückblicken, die sogar jene des Hauses Veuve Clicquot von 1770 übertrumpft.

 

ruindard-vs-clouetAber zurück zum Abend: Nebenbei wartete im Kühlschrank eine Flasche Champagner Brut Rosé Grand Cru von André Clouet plus einer Flasche Rosé aus dem Bandol auf die ich hier nicht weiter eingehen werde. Ich war ja zugegebenermassen etwas eingeschüchtert von Ruinart Rosé aus eben besagtem geschichtlichem Hintergrund. War dann beim ersten Schluck auch total begeistert von der pinken Farbe, der subtilen Frucht und der Perlage. Was aber immer weiter abnahm, je mehr ich davon trank. Irgendwie war das Ganze zu plump. Da fehlte mir irgendwie die Finesse.

 

Aber der Abend ging ja weiter und lange mussten wir nicht warten und wir öffneten die Flasche von André Clouet: BÄÄÄÄÄÄM! Faust in die Fresse und Pipi in den Augen. Ruinart ist eben in der Versenkung versoffen und unter dem staubigen Mantel der Geschichte vergraben worden. Hier schmeckt man, was man über Ruinart nur lesen kann: Geil trocken, knackige feine Perlage, zarte Hefe und fruchtig ohne Ende. Ja, man bekommt fast das Gefühl auf Erdbeeren zu kauen! Zart und filigran und trotzdem kräftig. Irgendwie erinnert mich das Erlebnis daran, wie ich damals als latenter Erwachsener am Hals meiner ersten Freundin geschnuppert habe. Ein Erlebnis welches man so schnell nicht vergisst.

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David gegen Goliath

Lieber Philipp,

 

klasse Artikel und ich liebe Champagner. Den André Clouet werde ich probieren! Danke für den Tip.

 

Ein sensationelles Video der etwas anderen Art über Champagner und voller Lebensfreude. Du solltest es Dir unbedingt anschauen:

 

https://www.youtube.com/watch?v=BzUnVhVOTtE

 

Bin gespannt auf Dein Urteil. Das schöne: der Gigi wird mit seinen Videos auch bei PassionForWine aktiv werden. Daumen drücken!!!

 

Liebe Grüße

Andreas

 

p.s. was hälst Du von Bollinger?

Andreas

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David gegen Goliath

Danke Nicklas.

Ja das Video von Gigi hat mir sehr gut gefallen und habe mich köstlich amüsiert.

Trinke wie die meisten leider zu wenig Champagner (im Verhältnis). Die letzte Flasche Bollinger habe ich in Bordeaux morgens um zwei getrunken. Die Erinnerung daran ist entsprechend getrübt.
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David gegen Goliath

Ja klar gegoogelt.

... und Gig kenne ich ja auch persönlich ;-)