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Die tägliche Visite des Weinbauern

Temperatur messen, Sauerstoff geben – die tägliche Visite des Winzers

 

 Wenn der Most im Gärtank vor sich hin blubbert, dann braucht es die tägliche Visite des Kellermeisters, damit aus den fruchtigen Trauben edler Wein wird. Es wird verkostet, analysiert, bewertet und zusammen mit dem Winzer werden weitere Maßnahmen besprochen und umgesetzt. „Diese Visiten sind die spannendste Zeit des Jahres, wo wir jedes Jahr aufs Neue die Chance haben, die Qualität, die im Weinberg wächst und reift, im Keller weiter auszubauen und zu festigen“, beschreibt Robert Goldenits diese Wochen.

Dass es dem Inhalt der Gärtanks gut geht ist Voraussetzung dafür, ob der Winzer später heiß begehrte Punkte dafür bekommt oder ob der Wein in die breite Maße der Mittelmäßigkeit gegliedert werden muss. Da ist kein Jahr gleich wie das vorhergehende. Trotz der Aufzeichnungen und der Technik kommt es in erster Linie immer noch auf das „G’spür“ des Kellermeisters und Winzers an. Wird die Maische abgekühlt dann geht die Gärung langsamer und in manchen Fällen ist überhaupt ein Gärstopp erwünscht. Die Visite kann aber zeigen, dass es notwendig ist, den Tanks mehr Sauerstoff zuzuführen, damit die Hefe weiterhin Zucker in Alkohol umwandelt. In jedem Tank reift eine andere Sorte heran und so wie jede Mutter die Eigenheiten ihrer Kinder kennt, so ist auch der Winzer bei jedem Besuch aufs Neue gespannt darauf, welche Veränderungen ihn wieder erwarten, ob die Richtungsweisungen ihren Früchte tragen, oder ob der Junge auf irgendeine Weise dagegen aufbegehrt.

Eine spezielle Behandlung braucht der angehende Rotwein. Da müssen aus dem gärenden Most durch Wärme, Alkohol und Bewegung die Farbstoffe und Tannine extrahiert werden. Die Kunst ist es, alles Gute zu extrahieren und das nicht so Bekömmliche in den Beeren und Kernen zu lassen. Wenn man am vorhergehenden Tag noch meinte der Junge sei auf dem richtigen Weg, dann kann das bei der darauffolgenden Visite wieder ganz anders aussehen und es braucht einen „kleinen Schubser“ in eine Richtung, damit er später Auszeichnungen erhält. Die Frage wie lange der fertig vergorenen  Jungwein auf der Maische bleibt, ist jedes Mal aufs Neue eine der interessantesten für den Winzer.

Die heurigen Jünglinge zeigen sich bereits von ihrer besten Seite, geben eine schöne Aromatik bei den weißen Sorten Welschriesling, Chardonnay und Sauvignon Blanc ab; zwar weniger Säure aber dafür viel Frucht und Ausdrucksstärke. Die Rotweine, soweit man das jetzt schon beurteilen kann, haben eine ungeheure Farbkraft und ausgereifte Tannine. „Es kann einer der besten Jahrgänge überhaupt in meiner bisherigen Winzerlaufbahn werden“, wagt Robert Goldenits eine vorsichtige Prognose. Da heißt es die Neugierde und Experimentierfreudigkeit, die einerseits absolute Spitzenweine hervorbringen kann, zu zügeln, denn die Trennlinie zwischen Genie und Wahnsinn liegen auch hier eng beisammen.Robert mit Mephisto.jpg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Bild: Robert Goldenits aus Tadten im Burgenland mit seinen Großflaschen Mephisto  ©Brigitte Eberharter